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30 Jahre „Integration durch Sport“ - Drei Stützpunkte im Kreis Höxter

27.11.2019 
Seit dreißig Jahren unterstützt das bundesweite Programm „Integration durch Sport“ Vereine, die sich in besonderem Maße der sportlichen Integration von Menschen mit Migrationshintergrund verschrieben haben. Also Grund genug, bei den drei Stützpunktvereinen im Kreis Höxter nachzufragen, was dort geleistet wird. Auf Einladung des Kreissportbundes Höxter trafen sich jetzt die Vorsitzenden vom SV Warburg, TuS Ovenhausen und TuS Amelunxen zu einem interessanten Bericht.

Vor zwei Jahren haben sich die drei Vereine verpflichtet, mit besonderen Aktionen ihre Mitglieder und die, die das noch werden wollen, mit den Mitmenschen zusammen zu bringen, deren ursprüngliche Heimat eben nicht Deutschland ist. Dafür werden sie über den KSB Höxter aus Bundesmitteln mit jährlich bis zu maximal fünf Tausend Euro über die Dauer von fünf Jahren gefördert. Als Zuschussgeber stehen das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat sowie das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge auch mit Rat und Tat den Vereinen bei. Beim KSB Höxter kümmert sich Referent Arne Tegtmeyer um alle Belange. Einmal im Jahr kommen die Vereinsvorstände zusammen, um Zwischenbilanz zu ziehen und Ideen auszutauschen.
 
Ein grundsätzliches Hindernis, das alle Sportvereine bei der Integration zu überwinden haben, ist der Umstand, dass ein in Vereinen geregelter und organisierter Sport in den Herkunftsländern weitestgehend unbekannt ist. „Ist dieses Problem erst mal überwunden,“ meint Stefan Risse vom TuS Ovenhausen, „dann gewinnen wir auch neue Teilnehmer und Mitglieder für unsere Vereine.“ Denn unbestritten interessieren sich die meisten Migrant*innen für Sport und machen, ist die Schranke erst mal aufgehoben, begeistert mit. Der aktive Verein aus dem Grubetal hatte im abgelaufenen Jahr mit einem Leichtathletik-Trainingslager gelockt. Fast vierzig Teilnehmer im Alter von 6 bis 60 Jahren, davon über zehn Flüchtlinge, konnten im Grubestadion ihre Zelte aufschlagen, dort übernachten und tagsüber ihre Trainingseinheiten absolvieren. „Und abends am Lagerfeuer wurde gegrillt, Stockbrot gebacken und jeder brachte landestypische Speisen mit,“ so Sport-Chef Risse. So lerne jeder die Kultur des anderen kennen. Weiterer Höhepunkt des Jahres war ein Sportfest für Kinder von 4 bis 12 Jahren, bei dem sich fast siebzig Teilnehmer tummelten. Risse: „Vier Kinder davon kommen jetzt regelmäßig in unsere Sportstunden!“
Um die Abnahme des Deutschen Sport-Abzeichens für Schüler kümmerten sich die Ovenhäuser Sportler ebenso wie um eine Vereinsfahrt zum Martinslauf in Paderborn. „Sport ist eben international,“ zog Stefan Risse ein Fazit des Jahres.
 
Von ähnlichen Integrationsbemühungen konnte auch Helmut Motyl vom SV Warburg berichten: „Wir sind in Warburg grundsätzlich gut vernetzt mit den Kindern und Erwachsenen aus dem Migrations-Bereich. Für Kitas, Schulen, Sozialeinrichtungen oder z.B. Job-Center ist der SV Warburg die erste Adresse, wenn es um Sport geht.“ Großen Wert habe man in der Geschäftsstelle des Vereins darauf gelegt, die Internet-Homepage des Vereines grafisch und inhaltlich auf den neuesten Stand zu bringen, auch was die Einbindung der Social Media anbetrifft. Motyl: „In Kürze ist unsere Homepage nicht nur auf deutsch, sondern auch auf türkisch, arabisch, russisch, englisch, französisch und spanisch zu lesen.“ Großen organisatorischen Raum nahmen in diesem Jahr die Ferienfreizeiten ein, die stets von Kindern aller Herkunftsgebiete gut besucht waren. „Von 7 bis 17 Uhr gab es Beschäftigung für die Kiddis beim „Action-Camp“, beim Nistkasten-Bauen oder bei Gewässererkundungen mit Kescher oder Becherlupe in den Bächen. Kinder haben weder Berührungsängste noch Sprachschwierigkeiten, das klappt prima.“ Zum „Soccer-Camp“ mit Fußball-Profis vom SC Paderborn kamen immerhin 50 Teilnehmer jeden Alters. Unter dem Motto „Kinder stark machen“ hatten die SV-Trainer die große 3-fach-Turnhalle in eine Spiellandschaft verwandelt, in der es die unterschiedlichsten Aufgaben zu lösen gab. Etwa 150 Kinder mit Eltern ließen sich den Tag gefallen und genossen das bunte internationale Treiben.
 
Auch der TuS Amelunxen setzt auf ähnliche Aktivitäten, um insbesondere Kinder und Jugendliche in die Vereinsarbeit zu integrieren. Großen Anklang fand in diesem Jahr eine Fahrt nach Leipzig mit Besuch des Völkerschlachtdenkmals. „Echt cool“ war dagegen natürlich eine Führung in der Red-Bull-Arena und ein Trainingsbesuch des RB Leipzig. Klar, dass die Profis der Mannschaft und Trainer Julian Nagelsmann für Selfies und Autogramme zur Verfügung standen. In der Integrationsarbeit kümmern sich die Amelunxer stark um die Einbindung von alleinreisenden, jugendlichen Flüchtlingen, besonders aus der A-Jugend. So fungieren sie schon als Helfer im Vereinsleben und übernehmen kleine Aufgaben beim Jugendturnier, beim Volkslauf oder Sportfest.