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Sporthallenbelegungen

Position des Kreissportbundes Höxter e.V.
zur Unterbringung von Flüchtlingen in Sporthallen

„Wir schaffen das“ der schon fast historische Satz unserer Bundeskanzlerin hat für ein positives Signal in der Weltöffentlichkeit gesorgt. Leider mehren sich in Deutschland die Zweifler und Kritiker. Deshalb brauchen wir zunehmend die Unterstützung der Bevölkerung auch in Form von Vereinen und Verbänden.

Der Vereinssport engagiert sich seit Jahrzehnten in der Integrationsarbeit, unter anderem auch als Partner des von der Bundesregierung geförderten Programms „Integration durch Sport“, das bis zurück in die Zeit der Integration von Spätaussiedlern reicht.

Aktuell hat der organisierte Sport, auf die stark gewachsenen Flüchtlingszahlen zur Jahreswende 2014/2015 mit dem Sonderprogramm „Sport für Flüchtlinge“ reagiert. Hier erhielten Sportvereine, die sich in der Arbeit mit neu ankommenden Flüchtlingen engagieren, eine Anschubfinanzierung von bis zu 500 Euro. Außerdem wird für einen kostenlosen Versicherungsschutz für entsprechende Vereinsaktivitäten und Teilnehmer gesorgt. Im Kreis Höxter haben dieses Angebot 17 Sportvereine in Anspruch genommen, um notwendige Sportbekleidung oder Sportmaterial für Flüchtlinge anzuschaffen sowie weitere Übungsleiter, Trainer und Helfer zur Unterstützung zu engagieren. Dazu kommt noch eine hohe Anzahl von Vereinen, die diese Arbeit stillschweigend leisten. Beide Variationen zeigen, dass die Integration von Flüchtlingen, aber auch die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund für unsere Sportvereine eine Regelleistung ihrer Vereinsarbeit darstellt.

Aber nicht nur mit diesen Aktivitäten, die von Sportangeboten in Erstaufnahmeeinrichtungen bis zur Integration von Flüchtlingen in Regelangebote der Vereine reichen, leisten unsere Sportvereine einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung der gesamtgesellschaftlichen Aufgabe im Umgang mit Flüchtlingen. Auch hier zeigt sich in der Praxis, dass Sport Menschen verbindet, unabhängig von ihrer Herkunft. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für ein respektvolles und friedliches Zusammenleben. Dieses hohe ehrenamtliche Engagement unserer Sportvereine trägt erheblich zu einer gewünschten und unbedingt notwendigen positiven Grundhaltung in der jetzigen Situation bei.

Dabei darf man aber nicht aus den Augen verlieren, dass vielfach die Grundlage dieser positiven ehrenamtlichen Aktivitäten in den Sportstätten liegt. Werden Sporthallen als Notunterkünfte genutzt, entstehen hier zwangsläufig Engpässe, sowohl für den täglichen Trainings‐, Sport‐ und Spielbetrieb wie aber auch für das ehrenamtliche Engagement für Flüchtlinge. Zwangsläufig würde es bei der Belegung der Sporthallen auch zu Ausfällen im Sportunterricht der Schulen kommen.

Der Unmut vieler Eltern darüber ist vorprogrammiert. Die Kommunen müssen das Wohl aller Bürger in verantwortlicher Weise berücksichtigen. Sporthallen für die Unterbringung von Flüchtlingen zu nutzen, kann und darf nur die letzte aller Optionen sein. Dies gilt vor dem Hintergrund einer menschenwürdigen Unterbringung genauso wie zur Vermeidung einer langfristigen Schwächung unserer Zivilgesellschaft. Die Verantwortlichen gefährden mit dieser Entscheidung die Existenz von Sportvereinen und die Motivation vieler Menschen, die sich ehrenamtlich einbringen. Genau diese Menschen in den Sportvereinen, die ihre neuen Nachbarn bisher in herausragender Weise willkommen geheißen haben, verstehen es nicht, dass genutzte Sporthallen als Notunterkünfte herhalten müssen, wenn Einrichtungen im Eigentum von Bund, Land und Stadt leer stehen. Zurzeit wird überall vermittelt, dass die nicht vorhersehbar große Anzahl der Flüchtlinge dieses Handeln notwendig macht.

Wir fordern Stadt, Land und Bund auf zu agieren und nicht nur zu reagieren. Eine Prognose, dass mehr Flüchtlinge kommen werden, war nicht schwierig. Wir sind der festen Überzeugung, dass sich kaum jemand vorstellen kann, was Flüchtlinge aus Krisengebieten erlebt haben, was sie in großer Verzweiflung für Risiken auf sich genommen haben.

Wir müssen diese Menschen willkommen heißen und Hilfestellung leisten. Der organisierte Sport ist weiterhin bereit zu helfen. Die Entscheidung Menschen in Sporthallen unterzubringen ist aber zu kurzfristig gedacht und vielleicht auch dem Druck der finanziellen Lage der Kommunen zuzuschreiben. Geld darf bei der sinnvollen und menschenwürdigen Unterbringung von Flüchtlingen keine entscheidende Rolle spielen.

Es ist unser Anliegen, keine Verlierer zu hinterlassen, damit die positive Grundstimmung und Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung erhalten bleibt. Der Sport vermittelt in hervorragender Weise die Werte unserer Gesellschaft. Deshalb darf man die Möglichkeiten, die der Sport bietet nicht beschneiden, sondern man muss gerade dieses ehrenamtliche Engagement unterstützen.
 

Vorstand des KSB Höxter e.V.