Mit Herz & Laufschuhen– Adalbert Grüner und SV Non-Stop-Ultra engagieren sich für Menschen mit Fluchterfahrung

Integration passiert nicht auf dem Papier, sondern dort, wo Menschen sich begegnen. Adalbert Grüner vom Laufverein SV Non-Stop-Ultra, einem Stützpunktverein im Bundesprogramm Integration durch Sport, weiß das aus eigener Erfahrung. Seit Jahren engagiert er sich mit viel Herzblut für Jugendliche mit Fluchterfahrung– und nutzt den Sport als Türöffner.

Die ersten Kontakte entstanden im Kolping-Berufsbildungswerk in Brakel, wo junge Menschen aus Syrien, Afghanistan und Eritrea untergebracht waren. Der Alltag dort war geprägt von Warten – auf Unterricht und auf Perspektiven. Um etwas Struktur und Abwechslung zu schaffen, organisierte der Verein kurzerhand einen Lauftreff direkt an der Unterkunft. Was als einfache Idee begann, wurde schnell zu einem festen Bestandteil im Leben vieler Geflüchteter. Der Verein sammelte Laufschuhe und Sportkleidung, legte Trainingszeiten fest und begleitete die Jugendlichen zu Volksläufen und Triathlon-Veranstaltungen. Nicht alle waren sofort begeistert – aber wer regelmäßig kam, durfte mit zu den Wettkämpfen. Und das sprach sich schnell herum.

Adalbert Grüner erinnert sich an viele besondere Momente: etwa an den jungen Schwimmer, der sich beim Triathlon tapfer durch das Becken kämpfte – mit mehr Mut als Technik. Oder an die Diskussionen im Vereinsbus, wenn zu viele mitfahren wollten („Notfalls auch aufs Dach!“). Und an die Sprachbarrieren, die manchmal zu lustigen Missverständnissen führten: „Wenn Fikadu morgen noch mal laufen, dann Fikadu gehen zur Polizei.“ Auch Herausforderungen gab es – etwa beim Laufen während des Ramadans, wenn manche Teilnehmende weder essen noch trinken durften. Adalbert Grüner blieb stets aufmerksam, begleitete die Jugendlichen und sorgte dafür, dass niemand überfordert wurde. Wichtig war ihm immer das Gemeinschaftsgefühl. Alle bekamen ein neongelbes Vereins-T-Shirt, Gruppenfotos wurden gemacht und als Erinnerung verteilt. Für viele Geflüchtete, die ohne Familie oder persönliche Gegenstände nach Deutschland kamen, waren diese Bilder von großer Bedeutung.

Der Verein ging noch weiter: Mitglieder halfen bei der Jobsuche, luden Geflüchtete zu Versammlungen ein und zeigten, wie demokratische Prozesse auf Vereinsebene funktionieren. Unterstützt wurde das Projekt von vielen Partnern – darunter das Kolping-Berufsbildungswerk, die Ökumenische Flüchtlingshilfe Brakel, das Kommunale Integrationszentrum Kreis Höxter, die Stadt Brakel und der Kreissportbund Höxter, der das Engagement im Rahmen des Programms Integration durch Sport aktiv begleitet.

Heute sind viele der Jugendlichen in eigenen Wohnungen, haben Ausbildungen abgeschlossen oder ein Studium begonnen. Einige arbeiten als Mechaniker, Maler oder Elektriker, andere studieren. Was sie verbindet: der gemeinsame Weg, der oft mit einem Paar Laufschuhe begann.